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In einer früheren Veröffentlichung über Kinderträume hatte der Verfasser zu zeigen versucht, „wie das Traumleben für das Kind (viel mehr als für den Erwachsenen) entwicklungsbeeinflussend ist, wie sich in ihm der kindliche Vorstellungsschatz offenbart“. Er stützte sich dabei auf ein Material von über 4500 Kinderträumen, „unter vorsichtiger Vermeidung jeder (etwa psychoanalytischen) Grenzüberschreitung“. In dieser neuen Arbeit will er nun durch den Traum auch über Qualität und Quantität des religiösen Vorstellungsschatzes Aufschluß erhalten. Psychoanalytische Auswertungsmöglichkeiten — betont er eingangs — will er nur insoweit berücksichtigen, „als die einfache kindgemäße Ausdeutung der Traumerlebnisse nicht zu genügen scheint“. Bei dem Gros der Kinderträume würde es seiner Meinung nach dem Wesen des Kindertraumlebens „geradezu widersprechen und zu verhängnisvollen Fehlergebnissen führen, wenn man auf die naheliegende einfach-psychologische (symptomatologische) Auswertung der Kinderträume“ zugunsten der psychoanalytischen Traumdeutung verzichten würde.
Das Traummaterial, auf das sich Fischers Untersuchung stützt, stammt von 3000 sechs- bis fünfzehnjährigen Kindern beiderlei Geschlechts der verschiedensten Begabungsgrade und Umweltschichten. 2200 dieser Kinder sind protestantisch, 800 römisch-katholisch. In den meisten Fällen wurde das Material so gewonnen, daß die Kinder unvorbereitet, aber zwangsfrei vor die Aufgabe gestellt wurden, einen ihrer zuletzt erlebten Träume niederzuschreiben, beziehungsweise mündlich wiederzugeben.
Die erste Feststellung, die Edmund Fischer an Hand seines Materiales macht, ist, daß der Gottesbegriff in der Vorstellung des Kindes nicht mit den Charakteren des Absoluten, Allseienden, Ewigen ausgestattet ist. Vielmehr haften der Gottesvorstellung des Kindes die Merkmale des Begrenzten, Endlichen, Veränderlichen an. Die innere (auf seelische Akte gegründete) Distanz zwischen Kind