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„Eine Religionspsychologie, die sich auf eine empirische, statisch-analytische Beschreibung und Rubrizierung der Phänomene des religiösen Seelenlebens beschränkt, führt nicht zum Ziel. Religionspsychologische Einsicht erfordert nicht allein Kenntnis der religiösen Phänomene an sich, sondern — soweit das möglich — auch ihre Erklärung und ihr kausales Verständnis.“ Dieser Satz aus dem Vorwort Schjelderups kann wohl als Kritik gelten an fast allen nichtpsychoanalytischen Untersuchungen, die sich heute als religionspsychologisch ausgeben. Der norwegische Theologe Schjelderup hat es im Verlauf seiner Beschäftigung mit religionsgeschichtlichen und religionspsychologischen Studien eingesehen, daß die Schulpsychologie, die bisher fast ausschließlich Bewußtseinspsychologie war, nur eine unzureichende Grundlage für religionspsychologische Untersuchungen abzugeben vermag. Seine Annäherung zur Psychoanalyse mußte sich daher aus innerer Forschungsnotwendigkeit ergeben. Er war sich auch bald darüber klar, daß die Kenntnis der psychoanalytischen Methode durch Lektüre allein nicht vermittelt werden kann und begab sich nach Zürich, wo er von Pfister in die analytische Technik eingeführt wurde. Schjelderups Buch über die Askese ist die erste Frucht seiner psychoanalytischen Orientierung und wir dürfen die Hoffnung aussprechen, daß er die Religionspsychologie auch noch mit weiteren, ebenso wertvollen Untersuchungen bereichern wird.
Die Askese, die in der Geschichte so vieler Religionsgemeinschaften eine große Rolle gespielt hat und noch spielt, ist die vorsätzliche Unterdrückung des natürlich gerichteten menschlichen Trieblebens, das als dem moralisch-geistigen Leben entgegengesetzt aufgefaßt wird; vornehmlich ist die Askese gegen das Sexualleben gerichtet. Drei Fragen sind es besonders, deren Beantwortung Schjelderup sich zur Aufgabe stellt: Was treibt den Menschen zur Askese? Welche Wirkungen hat die Askese? Welchen Wert hat die Askese?