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„Der wahre Weg führt über ein Seil, das nicht in der Höhe gespannt ist, sondern knapp über dem Boden; es scheint weniger bestimmt, begangen zu werden als stolpern zu machen.” (Kafka.)
Die Werke Franz Kafkas, in ihrer Mischung aus kühner Phantastik und strenger Realistik Träumen gleichend, durch die lebendige Kraft der Sprache und die zwingende Anschaulichkeit der Darstellung Kunstwerken höchsten Ranges verwandt, erlauben der analytischen Betrachtung so reiche Einblicke in die sie erzeugenden Strömungen des Unbewußten, wie wohl kaum eine Kunstdichtung sonst.
In der Geschlossenheit ihres Symbolgehalts Märchen und Mythen vergleichbar, haben sie für das psychologische Interesse diesen gegenüber den Vorzug, daß sie die inneren Schicksale einer einzigen Individualität verkörpern und daher die Zusammenhänge einer ganzen Persönlichkeitsentwicklung erkennen lassen.
Den Hauptgegenstand der vorliegenden Studie bildet eine 69 Seiten umfassende, im Jahre 1919 erschienene Erzählung Kafkas, die den Titel trägt: „In der Strafkolonie.”1