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Bernfeld berichtet über den „Plan einer Erziehungsanstalt mit Schulgemeinde aus dem Jahre 1788 und dessen Verwirklichung mit Kriegswaisen im Rahmen der Fürsorgemaßnahmen des revolutionären Frankreich”. Bourdon war der erste, der allgemein Anstaltserziehung als das einzig wirksame Mittel der Sozialerziehung überhaupt forderte, während sie vorher nur als Erziehungsmethode des „armen Volkes galt. Seine Einzelforderungen bezüglich Organisierung von Erziehungsanstalten und ihrer Disziplin (Selbstverwaltung der Schüler, Aufhebung des Autoritätsprinzips) muten überraschend modern an. Ein einziges solches Heim, das keine Nachahmung fand, wurde 1791 mit Hilfe der Jakobiner eröffnet, 1795 unter dem Direktorium wieder aufgelöst. Es diente ausgesprochen politischen Erziehungsabsichten. Bourdon hatte sich leidenschaftlich der Revolution angeschlossen und Bernfeld hält es auch nicht für zufällig, daß die Idee der allgemeinen Anstaltserziehung in der bürgerlichen Pädagogik wieder unterging, während sie von allen sozialistischen Erziehungsprogrammen festgehalten wurde. In psychoanalytischer Beziehung wird auf den unbewußt-infantilen Ursprung der Familienfeindschaft Bourdons hingewiesen, aber auch gezeigt, warum nur gesellschaftliche Umstände das Hervortreten und das bestimmte Wirksamwerden gerade dieses Ödipuskomplexes ermöglichten.
Fenichel (Berlin)