You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Als vor einigen dreißig Jahren Professor Freud in Gemeinschaft mit Breuer die Behandlung Hysterischer, un denen alle Mittel der medizinischen Wissenschaft bisher erfolglos geblieben waren, zunächst mit Hilfe der Hypnose versuchte, führten diese Versuche, die Freud sehr bald allein fortsetzen mußte, zu einer überraschenden Entdeckung. Freud fand, daß das, was uns als geistige und seelische Persönlichkeit des Menschen sichtbar ist und was bisher fast ausschließlich das Arbeitsgebiet der Persönlichkeitsforschung gewesen war, nur eine dünne Schicht, nur die Außenseite des menschlichen Seelenlebens ist, die die Scheidewand bildet zu dem großen Triebreservoir, dem Unbewußten. Daß der bewußte sind sichtbare Teil der Persönlichkeit nicht das ganze Seelenleben des Menschen umfaßt, war Dichtern und Denkern von Plato bis Goethe und Nietzsche immer bekannt. Nur die wissenschaftliche Psychologie leugnete die Existenz des Unbewußten, das der wissenschaftlichen Erforschung mit wissenschaftlichen Mitteln und Methoden bisher verschlossen war, und dessen Vorhandensein nur in intuitiven Einfällen großer Persönlichkeiten sichtbar wurde. Die von Freud aufgebaute psychoanalytische Technik ermöglichte es erst, auf rein empirischem Wege einen Zugang zu dem Unbewußten und seinen Gesetzmäßigkeiten zu finden. Der Vorgang ist etwa in gleicher Weise zu verstehen, wie die Situation in der Mikrobenforschung und Anatomie nach Erfindung des Mikroskopes. Auch hier eröffnete eine technische Entdeckung den Zugang zu einem bisher der menschlichen Forschung verschlossen gewesenen neuen Wissensgebiete.