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Franz v. Liszt hat vor über dreißig Jahren folgende Definition der Ursachen des Verbrechens aufgestellt:1 „Jedes Verbrechen ist das Produkt aus der Eigenart des Verbrechers einerseits und der den Verbrecher im Augenblick der Tat umgebenden gesellschaftlichen Verhältnisse anderseits.“ Mit dieser allgemeinen Beschreibung der Verbrechensmotive kann sich auch der Psychoanalytiker einverstanden erklären, wenn er dabei betont, daß für ihn die „Eigenart des Verbrechers“ wesentlich in seiner Triebkonstellation und hier wieder vorwiegend in deren unbewußtem Sektor begründet liegt. Die Schwierigkeiten und Gegensätze fangen da an, wo es sich darum handelt zu bestimmen, welches im einzelnen die Faktoren sind, die die Eigenart als Verbrecher bestimmen und welches das — qualitative und quantitative Verhältnis dieser individuellen Faktoren zu den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Faktoren ist.
Die Kriminalstatistik hat einen Zusammenhang zwischen wirtschaftlichen Faktoren und Kriminalität schon seit langer Zeit sehen gelehrt: die Abhängigkeit der Eigentumsdelikte von der wirtschaftlichen Lage der Volksmasse, wie sie sich sowohl in der Abhängigkeit der Zahl der Eigentumsdelikte vom Steigen und Fallen der Getreidepreise, als auch vom Wechsel der Jahreszeiten ausdrückt. Der Zusammenhang zwischen Getreidepreisen und Kriminalität ist in einer Reihe von Untersuchungen zweifelsfrei be