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Die Erforschung der Verwahrlosung und Kriminalität ist aus der Alternative erwachsen: liegt Schuld des Verbrechers oder der Gesellschaft vor? Und wenn die Wissenschaft auch gelernt hat, diese Wertungsfrage bis zur Aufdeckung der Sachverhalte zurückzustellen, so macht sich doch auch in den modernen Erklärungsversuchen der alte theologische oder kulturkritische Standpunkt deutlich geltend. Die Theorienbildung in von ihm nachhaltig beeinflußt, von der gar nicht zu überschätzenden Bedeutung, die er in der täglichen Praxis des Strafvollzugs und der Verwahrlosungsbekämpfung hat, zu schweigen. Spricht man zwar heute nicht mehr von Schuld, so wird doch die Ursache der Verwahrlosung (Kriminalität) entweder im Einzelnen oder im Milieu gesehen. In der biologischen Theorie der Kriminalität ist die Schuld des Individuums in eine Schuld der Vorfahren verwandelt; in der psychologischen Theorie die Schuld des Einzelnen durch die Haltlosigkeit seines Charakters, durch Triebhaftigkeit oder Erregbarkeit ersetzt; in der Milieutheorie die Schuld der Gesellschaft in die Schuld des engeren Familienkreises gemildert; in der marxistischen Theorie zur notwendigen Folge der kapitalistischen Produktionsweise erweitert. An Versuchen, diese Antithetik: Individuum — Gesellschaft zu überwinden, fehlt es nicht; aber sie sind, soweit meine Literaturkenntnis reicht, nicht sehr weit gediehen. Der Psychologe gesteht dem Milieu fördernde, hemmende, auslösende Krälte zu; der Milieutheoretiker wird schwer überschaubare, individuelle Motive und typische Dispositionen nicht ganz leugnen. Es ist kein Geheimnis, daß dies ganze Wissensgebiet bisher nur sehr ungenügend bewältigt ist. Diese Ratlosigkeit