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Der Begriff der Einfühlung taucht zuerst in den metaphysisch-ästhetischen Spekulationen der romantischen Schule auf. Theodor Lipps hat dann diesen Gedanken in seiner Bedeutung für unser Wissen um fremde Persönlichkeiten erfaßt und aus dem engen Bezirk der ästhetischen Fragestellung in das weite Feld der allgemeinen Psychologie verpflanzt. Verstand man unter Einfühlung ursprünglich nur die Beseelung des Untermenschlichen, so ist darunter heute zumeist ein bestimmter psychologischer Prozeß gemeint, durch den wir fremdes Seelisches so unmittelbar wie eigenes Erleben zu erfassen trachten. Auf Grund der Einfühlung verstehen wir das Seelenleben des andern; beide Begriffe hängen also aufs engste zusammen, ohne natürlich identisch zu sein. Trotzdem werden sie von manchen Autoren unterschiedslos gebraucht und andersartige Bezeichnungen, wie Vergegenwärtigen, Anschauen, Hineinversetzen, Nacherleben, ihnen gleichgesetzt. Es ist bemerkenswert, daß die doch so verwandten Probleme der Einfühlung und des Verstehens in der wissenschaftlichen Literatur fast völlig getrennt behandelt werden. Dilthey, Rickert, Jaspers und Spranger erwähnen kaum das Problem der Einfühlung, während wiederum Volkelt und Lipps dem Problem des Verstehens so gut wie gar nicht nahetreten.