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Dieser Versuch einer empirischen Typologie unterscheidet sich von allen bisher bekannten dadurch, daß er sich in erster Linie auf das psychologische Experiment stützt. Jaensch baute die Wahrnehmungsversuche der Experimental-psychologie aus, um eine Erscheinung zu studieren, die ihm zum Ausgangspunkt seiner Untersuchungen wurde: Das eidetische Phänomen.
Die Eigenschaft gewisser Menschen, Erinnerungen statt als bloße Vorstellungen bildhaft wahrzunehmen, also mit einer mehr oder weniger starken optischsensorischen Komponente, ist schon seit Jahren Gegenstand mannigfacher Untersuchungen der Marburger Psychologenschule. Dabei wurde festgestellt, daß diese „eidetische“ Eigenschaft im Jugendalter überwiegt. Sie nimmt in der Schulzeit langsam ab und ist um das vierzehnte Lebensjahr besonders selten nachzuweisen In der Voll- und Nachpubertät (sechzehn bis neunzehn Jahre) erfährt sie eine starke Zunahme, um von da an bei den meisten Menschen verlorenzugehen und sich nur noch bei wenigen Individuen zu erhalten.
In einer Unzahl reich variierter Untersuchungen erweist das eidetische Phänomen seine Zuordnung zu einer Reihe von psychischen Reaktionsweisen, die alle erklärbar werden durch einen gewissen Grad von gegenseitiger Durchdringung der psychischen Funktionen, einen gewissen Grad von „Integration“. Dem gegenüber sind andere Reaktionsformen bedingt durch ein gegen-einander-Abgegrenztsein der psychischen Funktionen, eine „Desintegration“ derselben. Die Jaensch - Schule hält diesen Unterschied für grundlegend. Er bedeutet ihr das wesentliche Mittel um die „Typen der personalen Einheit“ zu charakterisieren. Der Grad und die Art der „Integration“ beziehungsweise Desintegration bilden die Ausgangspunkte für ein typologisches System, das, wie Jaensch mit Recht bemerkt, vor allen andern Typologien den Vorteil eines offenen, natürlichen Systems hat. Die Feststellung bestimmter Formen der Funktionsdurchdringung, führt zur Herausstellung mehr oder weniger scharf unterschiedener Untergrup