You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Der Untertitel dieses Buches lautet: „Zugleich eine historiologische Deutung des psychischen Traumas und der Rentenneurose“. Die Analyse des psychischen Traumas soll das Problem der Rentenneurose klären. Was ist es, was ein Erlebnis zum traumatischen macht? Wodurch bekommt das traumatische Erlebnis die Kraft, ein Leben zu verändern, eine Neurose zu entfesseln? Das Trauma
ist ein erschütterndes Erlebnis — so meint Strauß —, in dem eine allgemeine Bedeutung dem Erlebenden zum erstenmal aufgeht. Nicht etwa eine bestimmte Bedrohung, sondern die Bedrohtheit, Unsicherheit, Ungeschütztheit der menschlichen Existenz überhaupt. Für die Entstehung des erschütternden Erlebnisses genügt freilich nicht jedes beliebige Gewahrwerden der allgemeinen Bedeutungen. „Eine Erschütterung tritt nur dann ein, wenn in dem einmaligen Erlebnis allgemeine existentielle Bedeutungen sich zum erstenmal dem Blick darbieten, in die personale Welt einbrechen. Die Erschütterung hängt also von der historischen Modalität, von der Erstmaligkeit des Erlebten ab“. (S. 22.) „Ein erschütterndes Erlebnis kann … nicht in jedem beliebigen Augenblick eines Lebenslaufes eintreten; ob es zustande kommt oder nicht, darüber entscheiden nicht allein die äußeren Umstände, sondern die Verfassung, in der sich die Welt des Erlebenden befindet. Und diese wieder ist von dem Vergangenen her schon bestimmt und festgelegt.“ (S. 26.)
Die nachdauernde Wirkung des psychischen Traumas erklärt Strauß dadurch, daß durch das traumatische Erlebnis die Erlebniswelt umgewandelt wird. „Was nach dem psychischen Trauma geschieht, hat ein anderes Gewicht, einen anderen Sinn, als es bei objektiv gleichen Gegebenheiten vor demselben gehabt hätte.“ (S. 26.)
Ähnlich wie das Trauma deutet Strauß die Phobien. „Die Phobien bleiben unverständlich, solange man nach einer naturalistischen Erklärung sucht. Sie werden verständlich, sobald man sich nicht mehr dagegen sperrt, ihren existentiellen Sinn zu verspüren.“ (S. 75.) Die Phobiker, die von Rauma