You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Kapp kritisiert die von Bernfeld und Feitelberg versuchte Anwendung physikalischer Denkweisen auf die Psychologie überhaupt, besonders die Auffassung, in der Wirksamkeit des Todestriebes einen Spezialfall des zweiten Hauptsatzes der Thennodynamik zu sehen. Er führt breit aus, wie wesensverschieden die Gegenstände der physikalischen (beziehungsweise energetischen) und der psychologischen Forschung sind (welche Verschiedenheit aber doch nicht verbietet, nach einem dennoch vorhandenen gemeinsamen Moment zu suchen), bezweifelt, ob der „Energie“ begriff der Psychoanalyse dasselbe bedeute wie in der Physik (gerade das wollten ja Bernfeld und Feitelberg prüfen), insbesondere ob die Quantität, über deren Anwachsen der Entropiesatz Aussagen macht, und die, die dem „Todestrieb“ entspricht („Strukturbildung“ o. dgl.) miteinander irgend etwas zu tun haben. Speziell richtet sich seine Kritik sodann gegen drei Behauptungen der Autoren: Erstens hält er die Annahme für unmöglich, daß die Lebewesen nur im Wachzustand dem Entropiesatz entsprechen, nicht aber im Schlafe; tatsächlich heißt es bei Bernield und Feitelberg: „Die Ausschaltung des Systems Person (Ruhezustand) schafft eine Energiesituation, die dem Entropiesatz entgegen ist“; die Autoren versuchen aber auch, dies durch die „Bedingungen des Systemduals“, nämlich durch die „sozialen und psychologischen Bedingungen und Komplizierungen des natürlichen Geschehensablaufs“ zu erklären. — Zweitens schreiben Bernfeld und Feitelberg bei der Wiedergabe von Gedankengängen Ehrenbergs, dem sie sich anschließen: „Das Leben besteht … im Verbrauch von Energie-intensitäten zum Aufbau von Substanz, aus der keine Arbeit mehr gewonnen werden kann.“ Demgegenüber bemerkt Kapp, daß Kohle und Erdöl, von denen sehr wohl Arbeit gewonnen werden kann, aus von Organismen gebildeter „Struktur“ entstehen. (Gemeint ist bei der zitierten Formulierung wohl: „aus der vom lebenden Organismu keine Arbeit mehr gewonnen werden kann“). Drittens kritisiert Kapp die