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Kretschmers Buch ist aus Vorlesungen für vorwiegend geisteswissenschaftliche Hörer entstanden und wendet sich an ein breiteres Publikum als die psychiatrische Fachwelt. Es liegt ihm eine ziemlich lockere Definition des in so variablen Deutungen benutzten Geniebegriffs zugrunde. Er verzichtet ausdrücklich auf soziologische und wertende Gesichtspunkte, die doch wesenhaft mit der Geniefrage verknüpft sind, sondern beschränkt sich auf eine biologische Betrachtungsweise, deren Unzulänglichkeit einleuchtet, wenn K. definiert: „Genie ist, rein biologisch gesprochen, eine seltene und extreme Variantenbildung menschlicher Art“. Sicherlich erfaßt K. einen wesentlich konstitutionellen Faktor in dem Begabungsniveau, dessen Höhe eine gewisse Vorbedingung zur Genialität bildet. Was zur Begabung hinzutreten muß, um ihr den Rang der Genialität zu verleihen, nennt K. mit anderen Forschern auf dem Gebiet der Genielehre „das Dämonische“. Dieses schildert er als eine Auflockerung der Instinkte und Denkbahnen, die zur Bildung überraschender und neuer Denkverbindungen führt. Diese dämonische Labilität und Auflockerung der geistigen Struktur identifiziert