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In einem außerordentlich materialbelasteten Werk versucht Lange-Eichbaum die Frage nach den Beziehungen zwischen Genie und Irrsinn, zwischen Geisteskrankheit und höchster geistiger Leistung zu lösen. Die knappe Formel seines Ergebnisses lautet: Irrsinn führt zu Ruhm, Ruhm zu Genie.
Die Vorarbeiten zu dieser Formel, die möglichst genaue Klarlegung und analytische Zergliederung der drei in Beziehung gesetzten Begriffe, zeichnen sich durch reichliche Literaturzitate und breiteste Durchführung aus. Lange-Eichbaum bezeichnet das Genie als Wertbringer; wer für möglichst Viele einen möglichst großen Genußwert aufstellt, hat am meisten Aussicht, Genie zu werden; denn man wird nicht als Genie geboren, sondern entwickelt sich im Urteil der Menschen dazu, wobei diese Urteil im Laufe der Zeit großen Schwankungen unterworfen ist. Nicht etwas biologisch Gegebenes ist also das Genie, sondern ein „Relationsbegriff soziologischer Wertung.“ Daraus folgt weiter, daß nicht ein Genie verkannt sein oder berühmt werden kann, sondern daß der Berühmteste am ehesten zum Genie erklärt wird. Berühmt aber wird vor allem der „Irrsinnige“, weil neben dem befremdenden psychischen Inhalten Mitleid und Grauen vor seinem Schicksal die Aufmerksamkeit der Menge besonders zu fesseln vermögen. So wird, gleiche Talentbegabung und damit gleiche „Genußgröße für den Veerbraucher“ vorausgesetzt, der „Irrsinnige“ eher zum Genie als der Normale.
Der historische Urheber eines Wertes, auf Grund dessen er zum Genie wurde, ist mit dem Bild de Genies, das von seiner Gemeinde später verehrt wird, nicht identisch. „Genie“ ist kein psychologischer, sondern ein religiös-soziologischer Wertbegriff. Zur psychologischen Erfassung des historischen Menschen, den seine Um- oder Nachwelt zum Genie macht, führt der Verfasser einen neuen Begriff ein: Das Bionegative. Bionegativ ist alles, was für Gesundheit und Erhaltung des Einzelnen oder der Art ungünstig ist. Es bedeutet aber nicht einen absoluten Unwert, da es als Ferment alle