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Alfhild Tamm erteilt Ratschläge zur Sexualpädagogik, denen man zum Teil voll beipflichten muß, die aber auch zum Teil den Eindruck der Inkonsequenze machen und sehr vieles von der alten bürgerlichen Moral diskussionsols gelten lassen. So heißt es, daß die Onanie im Säuglings-, Ödipus- und Pubertätsalter normal sei, und dennoch werden Ratschläge zur Bekämpfung der Onanie erteilt.
Manche Ratschläge setzen auch durch ihre problemlose Apodiktik in Erstaunen. So heißt es: „Man soll ihnen nicht erlauben … dabei zu sein … wenn Erwachsene … sich nackt zeigen“ oder „In Schulbädern und in Ferienkolonien … müssen die Kinder immer wieder überwacht werden“. Weit mehr aber wird man in Erstaunen versetzt durch ein Nachwort, das die Redaktion an diese Ausführungen hängt. Da wird nämlich gegen Erektionen der Knaben oder sexuelles Verlangen der Mädchen (sind beides nicht normale Erscheinungen?) geraten, diese Erscheinungen „durch möglichst langes Anhalten des Atems in tiefer Inspiration“ zu bekämpfen, „die momentane Erstickungsangst ist das psychische, die Aspiration des Blutes zur Lunge das physische Moment, welches wirkt“. Es wird also geraten, sexuelles Triebverlangen durch das psychische Moment der Angsterregung zu bekämpfen, — etwas, was in einer psychoanalytischen Zeitschrift, von der offiziellsten Seite, nämlich der Redaktion, geäußert, sehr seltsam anmutet! Es geht weiter: „In vielen Fällen ist psychoanalytische Behandlung nötig“. Wie? Wegen Erektion oder sexuellen Verlangens? Wie steht das dazu, daß diese Erscheinungen normal seien? — Und weiter: „Prinzipiell die „psychoanalytische Erziehungshilfe nur in den Dienst der Triebfreiheit und nicht in den der Askese zu stellen, halten wir für ein unberechtigtes Eingreifen in die Frage der Erziehungsrichtung und Sittlichkeit“. Aber die eben gegebenen Ratschläge scheinen mir einer solchen Neutralität zu widersprechen und die (übrigens keineswegs psychoanalytische) Erziehungshilfe nur in den Dienst der Askese zu stellen. — Vielleic