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Die Graphologie, wie sie in diesem Buche gelehrt wird, ist Wissenschaft in bestem Sinne. Sie setzt zwar eine spezifische Begabung voraus; aber „hierin unterscheidet sich die Fähigkeit des Schriftverständnisses in keiner Weise von andern für wissenschaftlich lehrbar geltenden Gegenstandsgebieten. Nicht nur setzt selbst das scheinbar völlig Voraussetzungslose unter ihnen, die Mathematik, ein sehr spezifisches Talent voraus, sondern auch jede andere wissenschaftliche Betätigung verlangt ganz spezifische Voraussetzungen, die nur ein geringer Prozentsatz aller geistig Normalen erfüllt. Mit andern Worten, die wissenschaftlichen Anlagen gehen genau so auf ein spezifisches Talent zurück wie die künstlerischen; Mathematik fußt begrifflich gesprochen auf Anschauung, ebensogut wie etwa zeichnerische oder musikalische Talente. Es ist zunächst die Zielsetzung, worin sich Kunst von Wissenschaft unterscheidet“. Die vorwissenschaftlichen Stadien der Graphologie sind mit diesem Buche endgültig überwunden; sowohl das der einfachen Erfahrungsgraphologie, die Merkmale sammelt und deutet, ohne systematisch nach ihrem psychologischen Wesen zu forschen, wie auch jene mit historisch bedingten Wertmaßstäben messende theoretische Zusammenschau von Klages, dem ersten Theoretiker der Graphologie.
Wenn Pulver grundlegend die Frage stellt, was Schreiben als psychischer Prozeß sei, so befindet er sich auf unserem Boden. Er antwortet: Die Schrift ist der graphische Niederschlag des Ichs im Zustande der Mitteilung, d. h. einer bestimmten sozialen Beziehung. In dieser Definition liegt die Grundlage für das Schema, aus dem die Schrift, richtiger der Schreibvorgang, verständlich wird. Mitteilung ist nur möglich, wenn der psychische Raum, aus dem sie stammt, ein entsprechendes Bezugssystem im Du vorfindet. „Dieser Raum nun, den wir in uns tragen, vielleicht der ursprüngliche, von dem die äußere Dreidimensionalität nur eine spätere Projektion ist, gibt nun eine erste symbolische, d. h. anschauliche und n