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Der erste Teil des Vortrages behandelt die kulturgeschichtliche Entwicklung der früheren Einstellungen zum Problem der Virginität; der zweite beschäftigt sich mit der heutigen Krise.
Der zweite Teil interessiert den Psychoanalytiker. Kaibel stellt fest, wie viel sich bereits praktisch im Sexualleben gegenüber der Moral von gestern geändert hat. Trotzdem hält aber die Gesellschaft offiziell noch immer an dieser alten Moral fest. Aufgabe des Erziehers sei es: „nicht das Chaos zu vergrößern durch Zusammenklammern des Zerbröckelnden, sondern aus ihm brauchbare neue Formen zu gießen“ (S. 11). Kaibel glaubt weder an einen Ausgleich dieser Divergenz durch soziale Umformung wie es in Rußland, noch durch staatspolitische Aktionen, wie es in Italien versucht wird, sondern er sieht den Ausgleich in einer Veränderung des alten Familienideals, das ja praktisch auch nicht mehr erreicht wird. „In der bürgerlichen Gesellschaft ist das Ziel des Einzelnen die Familie, in der neuen Gesellschaft ist es der Mensch selbst“ (S. 13). Kaibel verlangt: „1) leichtere Scheidung; 2) neue Eheform: Zeit-Kündigungs-, Gewissensehe neben der Listenehe; 3) Gleichsetzung der illegitimen mit den legitimen Frauen und Kindern“ (S. 14). „Dem Staat Staat, besser der Gemeinschaft, kann es ganz egal sein, wie Mann und Frau zusammenleben, wenn ihr die Kontrolle ihres Fortbestandes zugebilligt wird, die Übersicht über den Nachwuchs, den Erben, den kommenden Staatsbürger, das zukünftige Gemeinschaftsglied“ (S. 15). Nach diesen Ausführungen kommt Kaibel zur Umstellung der Erziehung diesen Problemen gegenüber. „Virginität und ihre Erhaltung ist nicht beeinflußbar durch Rechtsregel (Verbot!), da sie von Temperament, heißt Urtrieb, von körperlicher Veranlagung abhängt; nur Erziehung! Erziehung ist Hilfe! Sonst nichts!“ (S. 15). Als erstes Gebot der Erziehung verlangt er: „glatte Anerkennung der frühzeitigen Reife der Jugend, nicht blind-rasende