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Wenn über Biologie und besonders über die vielen so verschiedenen Lebensformen die Rede ist, hört man oft die Bemerkung — einmal auch von Freud: „Die Biologie ist wahrlich ein Reich der unbegrenzten Möglichkeiten.“1 Was mag wohl der psychologische Sinn dieses Ausrufes sein? Wohl nur unsere Verwunderung darüber, daß unsere stolze, kühne Phantasie nicht imstande war, sich etwas vorzustellen, was nicht in der lebenden Welt tatsächlich aufzufinden wäre. Diese Erkenntnis habe ich lange nur als Unterhaltungsthema benutzt und mir in Analytikerkreisen die Zeit damit vertrieben, zu jeder noch so absurden perversen Betätigung, zu jedem Mythos oder zu jeder infantilen Sexualtheorie die Tierart zu finden, die danach lebt.
Schließlich wurde ich durch diesen genauen Parallelismus stutzig. Wenn er wahr ist, bedeutet das doch, daß die Seele des Menschen alles um die Phylogenese weiß, sogar, daß sie nichts anderes als nur die Phylogenese kennt; kann sie doch nichts wahrlich „nie Dagewesenes“ produzieren. Vielleicht könnte der Satz umgekehrt werden: Im Es des Menschen ist die ganze Phylogenese potentiell enthalten, das aktuelle Erlebnis löst nur die eine oder die andere Reaktionsform aus.