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„Versäumen Sie auch das Geringste nicht! Denn bei Charakterdarstellungen sind gerade die kleinsten Züge oft die bedeutendsten.“ Goethe an Grüner
Indem ich gerne der ehrenden Aufforderung Folge leiste, im „Wiener Goethe-Verein“ über eigene und die Arbeiten anderer Psychoanalytiker, insoweit sie Goethe betreffen, Bericht zu erstatten, muß ich wohl davon absehen, Sie über das, was Psychoanalyse ist, näher zu informieren; aber ich glaube doch kurz begründen zu sollen, wieso die Psychoanalyse, eine Untersuchungs- und Heilmethode für Neurosen, beansprucht, bei psychologischen Biographien mitzusprechen, also dort, wo es sich um das Verstehen großer Persönlichkeiten, namentlich auch um deren Werdegang, handelt.
Die Psychoanalyse ist sehr gründlich und sehr intensiv, wenn sie die seelische Entwicklung eines Menschen untersucht; sie geht tief in seine Vergangenheit, erforscht seine frühe Kindheit, seine Triebanlagen und sein unbewußtes Seelenleben, sein Traumleben inbegriffen. Dies dauert oft viele Monate und länger; täglich eine Stunde erzählt der Analysand alles, wirklich alles, was in ihm vorgeht. Wie Sie sich denken können, erwirbt der Analytiker dadurch eine tiefe Menschenkenntnis und eine große Erfahrung über die Psychogenese des Untersuchten. Es sind dies nicht immer Kranke, denn auch der auszubildende Arzt oder Pädagoge unterzieht sich einer solchen Analyse. Aber selbst die Analyse an Kranken muß hier richtig eingeschätzt werden, und ich erinnere an den Satz unseres Goethe: „In