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Wenn hier versucht wird, eine psychoanalytische Theorie der Erziehungsmittel zu geben, so gilt diese Theorie in erster Linie für jenes Bereich der Erziehertätigkeit, das als die unter teils konstanten, teils wechselnden Wertsetzungen erzwungene Modifikation von Triebabläufen gekennzeichnet ist. Die Mittel also, deren Theorie wir uns bilden wollen, sind die im Bereiche der Trieberziehung angewendeten und anwendbaren.
Im Säugling und frühaltrigen Kleinkind finden sich eine Fülle von Trieben, die ungeordnet und ungehemmt ihrer Befriedigung zustreben. Wie gelingt es dem Erzieher nun, einen großen Teil dieser Triebe zu bändigen, zusammenzufassen, abzulenken und zu unterdrücken? Durch welche Mittel vermag er in den Triebablauf modifizierend einzugreifen?
Wir wissen, daß besonders die Sexualtriebe der Erziehung anfänglich sich entziehen, später ihr oft aufs hartnäckigste trotzen. Die Sexualtriebe finden anfangs ihre Befriedigung zugleich mit den großen Körperbedürfnissen, deren Stillung vom Erwachsenen unbedingt gegeben werden muß, wenn er das Kind nicht zugrunde gehen lassen will; sie „schmarotzen“ an den Befriedigungen der Selbsterhaltungstriebe. Der autoerotische Kurzschluß im Befriedigungsablauf zahlreicher Sexualtriebe ist das zweite Moment, das sie der Erziehung entzieht. Wenn ein Trieb seine Befriedigung am eigenen Körper findet, wenn er eines fremden Objekts nicht bedarf, so ist eine lusthemmende Beeinflussung schwierig und durch Objektentzug häufig nicht gangbar. Auch verläuft sie vielfach unbemerkt und entgeht der Aufmerksamkeit des Erziehers. So bleiben zahlreiche Partialtriebe der Not des Lebens anfänglich entzogen, und diese Zeit der Freiheit der Befriedigung bedingt nach Freud ihre schwere Erziehbarkeit.