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Der Hauptteil des Buches behandelt das Verhältnis des Menschen zu seiner Kleidung in Vergangenheit und Gegenwart. In den vier letzten Kapiteln aber spricht Flügel von den Veränderungen, die dieses Verhältnis bei einer tieferen psychologischen Einsicht in seine Bedingungen möglicherweise erfahren würde. Das Buch gliedert sich demnach in zwei Teile, in die reine und in die angewandte Kleidungspsychologie. Wenn es auch viele Gedanken enthält, die nicht unmittelbar psychoanalytischer Natur sind, so konnte es doch nur von einem Analytiker geschrieben werden, und es darf beanspruchen, der Psychoanalyse ein neues Anwendungsgebiet eröffnet zu haben. Daher ist auch seine Aufnahme in die Psycho-Analytical Library voll gerechtfertigt.
Zunächst erörtert Flügel die drei grundlegenden, für die Kleidung maßgebenden Motive: das des Schmückens (decoration), das der schamhaften Verhüllung (modesty) und das des Schützens (protection). So erfordert z. B. das Schamgefühl die Verdrängung des phallischen Exhibitionismus, aber der unterdrückte Trieb kommt im Schmuck — etwa in Gestalt eines aufs Haupt gesetzten Zylinderhuts — zu einer symbolischen Befriedigung. Verschiedene Intensitätsgrade in der Verdrängung des phallischen Exhibitionismus werden illustriert durch den Hosenlatz, die „poulaine“ (den phallischen Schuh) und durch den modernen Schuh, bei dem zugunsten der spitzen Form sogar die Bequemlichkeit geopfert wurde (S. 27-28).
Flügel beschreibt jede Form der Schamhaftigkeit durch die Angabe von fünf bestimmenden Momenten. Die Abwehr, sagt er, kann sich entweder gegen eine Zurschaustellung im sozialen oder im sexuellen Sinne wenden, entweder gegen eine Tendenz, den nackten Körper zu zeigen oder gegen die Neigung, prächtige Kleider sehen zu lassen, gegen eine Entblößung vor sich selbst oder vor anderen, gegen ein Verlangen oder gegen einen Widerwillen — und all dies kann sich noch auf die verschiedensten Körperteile beziehen (S. 54).
Die Kleider sind nicht nur ein Schutz gegen Kälte und Hi