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Diese großangelegte und ins Große strebende Arbeit empfiehlt sich durch ihre klare Disposition, die systematische Art der Untersuchung, ihre Klarheit und ihren Fleiß. Die Belesenheit des Verfassers, die auf psychologischem, mythologischem, religionswissenschaftlichem und ethnologischem Gebiete die gleiche ist, erweckt unseren Neid. Seine philosophische Bildung erweist sich besonders in der Diskussion schwieriger Begriffe. Die Deutung mancher Mythen ist geschickt und zeugt auch von psychologischer Einfühlungsfähigkeit, von Verständnis für das Denken und Fühlen der Antike. Die Darstellung und Kritik der Theorien über das Opfer sind klar und übersichtlich, was, wie etwa zum Beispiel bei Frazer, nicht immer leicht ist. Vereinzelte Bemerkungen, wie die über den Zusammenhang der Institution der Nonnen und der Tempelprostitution der Antike, sind ausgezeichnet, leider ist die Zahl solcher Marginalien sehr gering.
Es kommen nun sachte meine Einwände gegen das Werk, das die Londoner philosophische Fakultät mit Recht als Doktorarbeit approbiert hat. Diese Einwände beziehen sich nicht so sehr auf Fehler wie auf Fehlendes, nicht so sehr auf Vorhandenes wie auf Mangelndes. Ich meine, die erste Vorbedingung für eine solche Arbeit ist ein Einfall oder, wenn man will, eine ganze Reihe von Einfällen. Jedenfalls, so glaube ich, muß ein glücklicher Einfall, dem man nachgeht, vor der Arbeit da sein; dieser Einfall kann sich auf den Stoff beziehen oder einen bekannten Stoff in einer neuen Art darstellen. Der Leser, der das vorliegende Werk aufmerksam studiert hat, konstatiert hier mit Verwunderung, daß ein solcher Einfall fehlt. Money-Kyrle gibt eine Darstellung der analytischen Opfertheorie mit einigen eigenen Zusätzen, die sich für den Analytiker von selbst ergeben. Er berichtet, aber er produziert nicht. Was er berichtet, ist klar und korrekt, aber man wartet vergebens auf etwas Unbekanntes. Es ergibt sich so eine sehr instruktive, ziemlich blutleere Arbeit, die für den Anthropologen u