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Sorgfältig durchdacht wird die Gestaltpsychologie in ihrem ganzen Umfang, mit guten Beispielen und reichlichen Literaturnachweisen versehen, als „Wissenschaft vom äußeren und inneren Gebaren von Lebewesen“ dargestellt. Auch die Ansätze der Gestalttheorie, die nach der Physik und Geisteswissenschaft weisen, werden, ihrem „interwissenschaftlichen“ Charakter und Anspruch entsprechend, nicht übersehen. Ist schon die Zusammenfassung und Sichtung der sehr breiten und ziemlich verstreuten gestaltpsychologischen Literatur ein Verdienst, so gibt Scheerer mehr als eine Kompilation; er versucht zu zeigen: „Was wird Gestaltpsychologie?“ Er ist bemüht, die in ihrem Gewicht und in ihren Konsequenzen leicht unterschätzbaren, keimhaften Bemerkungen Wertheimers und der andern, die zahlreichen unausgeführten Hinweise und vorläufigen Mitteilungen konsequent zu entwickeln. Dadurch wird die Arbeit sehr anregend und interessant, aber es bleibt vielfach unsicher, ob die Gestaltpsychologie wirklich „so werden wird“. Die Entwicklung der gestalttheoretischen Ansätze dient Scheerer zu einer gedankenreichen Kritik — von Stern, Cassierer und Hönigswald entscheidend beeinflußt, aber doch mit vielen neuen und eigenen, nicht immer präzis und einfach genug formulierten Gedanken, die darauf abzielen, den naturwissenschaftlichen, physikalistischen, objektivierenden Charakter der Gestaltpsychologie als ihre Grenze nachzuweisen, jenseits deren eine Art Bedeutungspsychologie Raum habe und notwendig sei. Die Psychoanalyse ist dem Verfasser offenbar mehr als oberflächlich bekannt: er führt mehrmals psychoanalytische Erkenntnisse zuungunsten der Gestaltpsychologie an und weist auf Verwandtschaften zwischen Psychoanalyse und Gestaltpsychologie, etwa mit der Bemerkung hin: „Bei genauerem Zusehen könnte man fast behaupten, an der Denkmethodik des gestalttheoretischen Begriffsapparates ließen sich wesentliche Erkenntnisse der Psychoanalyse — freilich entsprechend transponiert —