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Die analytisch weitaus bedeutungsvollste Arbeit dieses Heftes ist die von Frieda Fromm-Reichmann über „soziale Minderwertigkeitsgefühle“. Diese erweisen sich durchwegs als Rationalisierungen anderer, unbewußter Gefühle. Eine Tochter eines Tierarztes konnte diesen Beruf ihres Vaters nicht anderen Menschen eingestehen, ohne vor Scham zu vergehen. Hinter dem Begriff „Tierarzt“ verbargen sich verdrängte Erinnerungen an reale Inzesteriebnisse mit dem Vater, so daß die Scham, einen Vater gehabt zu haben, der Tierarzt war, die deckte, einen gehabt zu haben, der vor Inzesthandlungen nicht zurückscheute. — Eine zweite Patientin schämte sich ebenso, daß ihr Vater, ein russischer Gutsbesitzer, einen Laden mit Alkoholausschank gehabt hatte. Das deckte Erinnerungen an die Trunkenheiten des Vaters, in denen er häufig vor der kleinen Tochter uriniert hatte.
Ein neues Gebiet analytisch-pädagogischer Fragestellung betritt Homburger mit der Frage, warum die „Bilderbücher“ im allgemeinen ein so verzerrtes Bild der Kindheit zeichnen. Das entspreche einer Tendenz der Erwachsenen, die wahre Kindheit zu verleugnen; deshalb werden so puppenhafte Idealkinder gezeichnet. Man erhoffe sich daraus auch eine Einwirkung auf die Gewissensbildung der Kinder. Aber diese habe ein Doppelgesicht, erreiche oft mehr als beabsichtigt („Max und Moritz“ und „Adamson“ wirken, zeigt Homburger, dadurch, daß sie für den Augenblick von der Strenge des Über-Ichs entlasten), und die Frage, wie man an dieser Stelle richtig dosiere, sei die Kardinalfrage aller pädagogischen Problematik. Damit, daß man etwa die Bilderbücher verdammte, wäre wenig geholfen. Wenn man sie einem Kind vorenthalte, so stoße es ja doch überall in der Welt auf die darin enthaltenen Tendenzen, und wenn ein Kind über ein Bilderbuch ängstlich werde, so sei das weniger Ursache als Anzeichen einer Neurose. Das Kind bemerke am Erwachsenen nicht so sehr die einzelnen Handlungen, die als bewußte „pädagogische Maßnahmen“ ausgeführt werden, als die inne