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Wir pflegen in der psychoanalytischen Behandlung unserer Neurotiker als praktisches Ziel die Herstellung der Liebes-und Arbeitsfähigkeit zu bezeichnen. Da wir nun ganz allgemein die Neurosen als Störungen der Sexual funktion betrachten, liegt darin inbegriffen die Erkenntnis der Abhängigkeit der Arbeitsfunktion von der Sexualfunktion, d. h. jeder Konflikt zwischen Trieb und Ich hat auch eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit zur Folge. Umgekehrt sehen wir, daß der sexuell voll befriedigte Mensch erhöhte Arbeitsfreude empfindet. Es scheint also, daß der Arbeit innerhalb des Libidohaushaltes die Aufgabe zufällt, gewisse Triebenergien auf sich zu ziehen, was aber nur dann restlos gelingt, wenn die eigentliche genitale Libido durch den Sexualverkehr annähernd befriedigt ist. Die Zerlegung des seelischen Apparates in ein Ich, Es und Über-Ich einerseits, die Erschließung des Todes-oder Aggressionstriebes andrerseits läßt uns dann noch eine weitere Funktion der Arbeit im Dienste des Über-Ichs und der Aggression erkennen.
Das Thema „Arbeitsstörung“ oder „neurotische Arbeitshemmung“, das sich hier der Untersuchung anbietet, soll jedoch heute von mir nicht behandelt werden, ich nehme mir vielmehr vor, über die unbewußten Motivationen der Berufsarbeit, über ihre Funktion gegenüber den Anforderungen des Es und des Über-Ichs zu sprechen, und möchte dann anschließend versuchen, den Wandel in der ethischen Bewertung der Arbeit, der in dem modernen