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„Die Gesellschaft ist schuld an den Verbrechen der Jugendlichen; durch Strafe wälzt sie ihre eigene Schuld auf Kinderschultern.“ Heilen und nicht Strafen wäre die Aufgabe des Jugendstrafvollzuges. Die seelische Situation zu verstehen, wäre die Aufgabe des Strafanstaltsbeamten. Mit Verständnis, Liebe und Aufopferung sucht der Autor als Strafanstaltsoberlehrer seit vielen Jahren dieser Aufgabe zu dienen. Als psychologischer Grundlage bedient er sich dabei der Individual-psychologie, die ihm aber im wesentlichen dazu nur die allzu allgemeine These von der Entmutigung liefert und wahrscheinlich die intuitive Menschenkenntnis dieses Erziehers kaum erhöhen kann. Seit vielen Jahren kämpft der Autor einen erbitterten Kampf gegen den sadistischen Strafvollzug, nichtsdestoweniger scheint Kleist in seinen Forderungen viel zu bescheiden, scheint er die nach allen Milderungen noch verbleibenden „Strafübel“ Freiheitsbeschränkung, Einzelzelle, Pflichtarbeit, Rauchverbot oder-einschränkung und vor allem die mit keinem Wort erwähnte sexuelle Not der Inhaftierten viel zu gering zu bewerten. Diese Aufrechterhaltung eines gemilderten, aber doch „Strafvollzuges“ bei gleichzeitiger Kenntnis der Tatsache, daß die meisten jugendlichen Rechtsbrecher ihre Verfehlungen unter dem Zwang bitterster Not begangen haben, und daß die anderen, die Kranken, die Psychopathen, die Süchtigen usw., durch desolate Familienverhältnisse, unlösbare Konflikte, schwere Erziehungsfehler und ähnliche Umstände schuldlos in krankhafte Entwicklung gedrängt wurden, erscheint uns unverständlich und inkonsequent. Allerdings sei zugegeben, daß ein konsequentes. Weiterkämpfen in dieser Richtung bald auf in der heutigen Gesellschaftsform unüberwindliche äußere Schranken stoßen würde. Eine religiöse Grundeinstellung und in deren Gefolge Vorstellungen über die heilende Wirkung von Bekehrung, künstlerischer und religiöser Ergriffenheit usw. erleichtern dem Autor, seine Inkonsequenz nicht zu sehen, vermögen uns aber keinesweg