You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die moderne Ethnologie wird immer mehr zu einer Wissenschaft, die nicht allein auf Stubenarbeit, sondern in gleichem Maße auf eigene Beobachtung des Forschers gegründet werden muß. Dieser Umstand bedingte bisher einen fühlbaren Mangel in der psychoanalytischen Ethnologie. Denn noch niemals war es Psychoanalytikern möglich gewesen, selber ethnologische Beobachtungen draußen, bei den sogenannten Primitiven anzustellen. Und es war auch wenig Hoffnung gewesen, diese Lücke in der psychoanalytischen Forschung bald zu schließen. Um so größer und freudiger war meine Überraschung, als die Prinzessin Georg von Griechenland (Marie Bonaparte) mir am Anfang des Jahres 1928 ihre Absicht mitteilte, eine Expedition zu finanzieren, die mir das Studium von Primitivvölkern für eine Dauer von zwei bis drei Jahren ermöglichen sollte. Nach einiger Überlegung entschloß ich mich zu einer Zweiteilung der mir zur Verfügung stehenden Zeit. Vor allem wollte ich die zentralaustralischen Völker aufsuchen, da ich in ihnen die klassischen Vertreter des Totemismus und des Jägertums erblickte. Auch hatte ich mich ja schon früher literarisch mit diesen Völkern beschäftigt und neigte aus verschiedenen Gründen zu der von Frazer und der klassischen Schule der englischen Ethnologie vertretenen