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Inhalt: § 1. Das Erosproblem in der Platonforschung. — § 2. Der homosexuelle Eros. — § 3. Platons Verhältnis zu seiner Familie. — § 4. Platons Stellung zur Frau: a) „Philebos“ und „Timaios“, b) „Politeia“, c) Der Mythos des „Politikos“. — § 5. Der knabenliebende Eros: a) „Charmides“ und „Lysis“, b) „Phaidros“, c) „Politeia“. — § 6. Die Päderastie in Griechenland: a) Der dorische Kulturkreis, b) Das Verhältnis von Religion und Dichtung zur Knabenliebe, c) Die Stellung der Philosophie, insbesondere Xenophons, d) Die antipäderastische Tendenz der Strafgesetzgebung und der Moral, e) Zeugnisse aus Platons Schriften. — § 7. Platons Konflikt mit der Gesellschaft. — § 8. Platons Ideal der Keuschheit: Sokrates. — § g. Der platonische Pessimismus. — § 10. Die optimistische Wendung: Das Bekenntnis zum Eros: a) „Lysis“, b) „Symposion“, c) Der Erosmythos des Aristophanes, d) Die Liebeslehre der Diotima.
§ I. Das Erosproblem in der Plaionforschung. Mehr noch als jedes andere geistige Schaffen ist das der großen Ethiker verwurzelt in ihrem persönlichen Leben, entspringt alle Gut-Böse-Spekulation — und Platons Philosophie ist im wesentlichen als eine solche zu verstehen1 — aus dem den ganzen Menschen erschütternden ethischen Erlebnis. Und so ist auch das gewaltige Pathos, von dem das Werk Platons getragen wird, sein tragischer Dualismus und die heroische Anstrengung, ihn zu überwinden, zutiefst gegründet in dem besonderen Charakter dieser philosophischen Individualität, in der Eigenart ihres Schicksals und der dadurch bedingten, höchst persönlichen Einstellung zum Leben. Die Linie des platonischen Lebens aber wird grundlegend bestimmt durch die Leidenschaft der Liebe, durch den platonischen Eros. Das Bild, das wir uns vom Menschen Platon aus den von ihm hinterlassenen Dokumenten machen können, zeigt nicht eine kühl-kontemplative Gelehrtennatur, die ihr Genügen daran findet, die Welt erkennend zu erleben, keinen Philosophen, dessen Sinnen und Trachten nur darauf gerichtet ist, da