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Ein Kind wächst auf in dieser Welt, den Eltern vertrauend, Nahrung und Spiele genießend, der Menschen und des Lichtes froh. Eines Tages zum erstenmal, dann immer öfter und unzweifelhafter wird es die schwankende Fragwürdigkeit des Menschendaseins schmecken: die Nähe von Schmerz und Tod, die blutig brutalen Zwecke hinter dem freundlichen Anschein der Welt. Es stehen seit alters die Tore offen, in die der zur Reife erwachende Mensch sich vor dem Grauen der Erkenntnis retten kann. Das offenste und einladendste von allen ist in Europa seit dem Zerfall der Kirche die Kunst.
Ein Mensch hat sich, dieser breiten Straße folgend, dem liebhaberischen Genuß, der wissenschaftlichen Erforschung der Literatur, vielleicht sogar der Schriftstellerei ergeben (von den Schöpfern im strengsten Sinn ist hier nicht die Rede). Was wird er darin suchen und willkommen heißen? Eben die keusche Reinheit und Gefahrlosigkeit des Lebensaspekts, deren Fehlen in der Realität ihn so tief zurückschreckte und in das Reich der Phantasie hineintrieb. Kunst und Dichtung, so verstanden, sind herrliche Zufluchtsorte vor der grausam handelnden Welt, die schönste Entschädigung für das verlorene Paradies. Kein Wunder, daß sie so fanatisch als das Reich des Schönen, des Maßes, der sichtbaren Harmonie gepriesen werden; immer wieder haben ganze Epochen in diesem unschuldigen Glanz das einzige Recht der Dichtung gesehen. Aber er ist nur das Idol einer neuen Unwissenheit, die Kulisse einer höheren Unreife. Auch hier wird einmal das Erwachen unabwendbar sein. Nur daß sich dieser Bruch selten im Rahmen des Einzellebens, — man denke an Tolstoi, — meist im größeren Zusammenhang der allgemeinen Entwicklung vollzieht, als Revolution eines Zeitstils, die, wenn sie tief greift, aus einer solchen Umdeutung der Kunst selber hervorgeht. Dann bricht die tröstliche bessere Welt, das Elysium der blut- und schreckenlosen Beseligungen, das eine ganze Epoche in der Dichtung besaß, als eine bloße Wunschgewißheit unversehens so gänzl