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Methodologische Untersuchungen gehören nicht an den Anfang einer Wissenschaft. Die Erfahrung lehrt, daß die methodologische Besinnung erst in relativ späten Entwicklungsstadien der Wissenschaften einsetzt. Es ist deshalb nicht erstaunlich, daß eine so junge Wissenschaft wie die Psychoanalyse bisher kaum an die Aufgabe herangetreten ist, in einer Art der Selbstbesinnung sich ihrer Eigenart als Wissenschaft bewußt zu werden. Es scheint aber, daß in dem jetzigen Entwicklungsstadium der Psychoanalyse, solche methodologische oder besser gesagt wissenschaftstheoretische Untersuchungen notwendig sind und fruchtbar werden können. Deshalb ist die Arbeit von Bernfeld, die an einem speziellen Gebiet eine solche Untersuchung durchführt, außerordentlich zu begrüßen. B. schlägt den richtigen Weg ein, indem er nicht von unfruchtbaren Verallgemeinerungen ausgeht, sondern die wirkliche Forschungspraxis der Psychoanalyse untersucht, die Eigenart ihrer Begriffsbildung freilegt. Er beschäftigt sich in dieser Arbeit nicht mit der psychoanalytischen Deutung als einem Bestandteil der Therapie. Deshalb geht er den Problemen der Einfühlung, des Ausdrucksverstehens u. dgl. m. in dieser Arbeit nicht nach. Sondern was B. interessiert, ist die spezifische Logik der Psychoanalyse als Wissenschaft, insbesondere der Deutung in der Psychoanalyse als wissenschaftlichem Verfahren.
In der Psychoanalyse werden recht verschiedene Verfahren als Deutung bezeichnet. Erste Aufgabe einer methodologischen Untersuchung ist die Sonderung dieser verschiedenen Bedeutungen des Begriffes Deutung.
Die erste allgemeinste Charakterisierung der Deutung in der Psychoanalyse lautet nach B.: „Den Sinn eines Traumes deuten, heißt für Freud und für die Psychoanalyse: ihn in einen personalen Zusammenhang einordnen und ebenso heißt neurotische Symptome, Tagträume, Fehlhandlungen oder Kunstwerke psychoanalytisch deuten, nichts anderes als sie in den Gesamtzusammenhang der Person einordnen.“ Als erster Typ der Deutung in der Psyc