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Herbert gibt eine populäre Darstellung einiger Anwendungen psychoanalytischer Erkenntnisse auf Fragen der menschlichen Kultur. Die Darstellung bleibt, teils infolge des Bestrebens zur Popularität, teils infolge der Eigenart des Autors überhaupt, bedauerlich oberflächlich. Was über die Psychoanalyse ausgesagt wird, ist zwar durchwegs richtig und zeugt von der Belesenheit des Autors, bleibt aber trotz des ehrlichen Enthusiasmus Herberts für die „neue Psychologie“ reichlich unzulänglich und naiv. (So unterscheidet er unter anderem nicht genügend zwischen der von der Psychoanalyse in den Äußerungen des Unbewußten aufgedeckten „Symbolik“ und dem, was man sonst unter diesem Wort verstand, z. B. dem „symbolischen“ Gehalt eines musikalischen Themas.) Die Jungsche Unterscheidung von extro- und introvertierten Menschen wird den Ergebnissen der Psychoanalyse zugerechnet und als Schlüssel zum Verständnis von Kunst- und Kulturgeschichte hingestellt. In moralischer Hinsicht werden liberale Ideale verfochten, in soziologischer denkt der Autor extrem psychologistisch, und zwar etwa so: „Liebe ist gegenüber dem Haß sekundär und kann ihn nur nach einer langen Periode der Gewöhnung an Fremde übertreffen. Das kann uns das merkwürdige Paradoxon erklären, daß, während jedermann vom Frieden redet, die Völker sich für den Krieg rüsten.“ Oder: „Es ist die Vernachlässigung der aufs höchste spezialisierten sexuellen Funktionen, was zu den Eheschwierigkeiten der Gegenwart geführt hat.“
O. Fenichel (Berlin)