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Inhalt: § 11. Der Wille zur Macht bei Sokrates. — § 12. Tugend ist Wissen: eine Ideologie der Paideia — § 13. Das Daimonion. — § 14. Der Drang zur Paideia und Politeia bei Platon. — § 15. Platon als Politiker. — § 16. Der „tyrannische Charakter“ und die Figur des Kallikles. — § 17. Platons Herrschaftsanspruch in der „Politeia“. — § 18. Platons Herrschaftsanspruch im „Politikos“ und in den „Nomoi“. — § 19. Das Syrakusaner Abenteuer.
§ 11. Der Wille zur Macht bei Sokrates. Es ist von größter Bedeutung, daß Platon auch in der Rede der Diotima den sozialen Charakter seines unter dem Vorwurf der Gesellschaftsfeindlichkeit stehenden Eros hervorhebt. Aus dem Munde der Seherin läßt er verkünden, daß die schönsten Kinder des in der Seele zeugenden geistigen Eros nicht so sehr Dichtungen oder Werke der bildenden Kunst, als vielmehr gesellschaftliche Ordnung, Staatsverfassungen, Gesetze, Werke der Gerechtigkeit sind. „Weitaus die größte und schönste Erkenntnis“ — und Erkenntnis ist es, was der Seele gemäß ist zu zeugen und zu empfangen — „ist die für Ordnung der Städte und Haushaltungen, die den Namen hat: Besonnenheit und Gerechtigkeit“. Und unter den „unsterblichen Kindern“, die zurückzulassen wertvoller ist als leiblich-sterbliche, nennt er die Gesetze Solons und die Kinder, die „Lykurgos zurückließ in Lakedämon zu Rettern von Lakedämon und, um es zu sagen, von Hellas“.1 Das ist ein höchst persönliches Bekenntnis Platons, denn das sind die Kinder, deren Zeugung sein Eros in ihm auslösen wollte: die richtige Erziehung der Jugend, die besten Gesetze, die gerechte Ordnung des Staates. Hier enthüllt sich aufs deutlichste der innere Zusammenhang, der zwischen dem platonischen Eros und seinem Willen zur Macht über Menschen, seiner erotischen und seiner pädagogisch-politischen Leidenschaft besteht.2
Diese Verbindung von Eros und Kratos hat Platon schon in Sokrates oder, besser gesagt, so hat er sich selbst in Sokrates gesehen und dargestellt.