You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
In wenigen, aber anspruchsvollen Sätzen werden die mythologischen Theorien des „Naturalismus“ (Mythendeutung im Anschluß an das Naturgeschehen) und der Psychoanalyse beseitigt, welch letztere neuerdings ihre Anhänger verliere, seien doch Ödipuskomplex und Verdrängung nur im krankhaften Seelenleben nachzuweisen. Dann werden — im Anschluß an Levy-Brühl und andere Ethnologen — jene Vorstellungen aufgezeigt, die dem Mythos vom Helden zugrunde liegen: Die „compensation“, „nach dem Glauben der Primitiven eine Art generelles Gesetz des Universums, dem alle Lebewesen Untertan sind“; es stamme aus dem „direkten Kontakt des Menschen mit der Umwelt und besage, daß „jedes Glück, jeder Vorteil … durch Mühen, Opfer und Leiden erkauft“ sein müsse; und die „rétribution“, eine Sonderform der „compensation“, die aus dem Kontakt der Menschen untereinander stamme, und soweit ich sehe durchaus dem Tallion entspricht. Beide Vorstellungen gelten für das Individuum als Glied des Clan, so daß sich das Schicksal des Einzelnen an dem der Gruppe oder eines anderen Gruppenmitgliedes erfüllen könne. Die Erniedrigung des jugendlichen (etwa des ausgesetzten) Helden sei danach die Voraussetzung seines künftigen Erfolges und Vatermord wie Inzest des Ödipus die tragische Sühne für seine königliche Stellung.
E. Kris (Wien)