You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Sozialpsychologie beschäftigt sich mit den psychologischen Vorgängen der Gemeinschaftsbildung. Sie stellt es sich zur Aufgabe die psychologischen Abläufe und Gebilde zu erforschen, welche das Individuum erlebt, sofern es das Glied einer Gemeinschaft ist, sie sucht auch festzustellen, inwieweit das Individuum als Glied der Gemeinschaft Sonderzüge aufweist. Darüber hinausgehend wendet sie Interesse den Handlungen und Motiven von Gruppen zu. Ist die Gemeinschaft mehr als die Summe der psychologischen Vorgänge in den Individuen, die ihr angehören? Gibt es eine Massenseele, die verschiedene Züge aufweist von den Seelen einzelner Individuen? Was ist der Ausdruck von Gemütsbewegungen und wie wirken Gemütsbewegungen des einen Individuums auf das andere ein? All das sind bedeutsame Probleme. Aber die Sozialpsychologie hat bisher der Tatsache nicht genügend Rechnung getragen, daß Individuen nicht nur seelische Einheiten sind, sondern daß sie auch Körper haben. Der Nebenmensch ist für uns nicht nur eine geistige Einheit, sondern hat auch einen Körper. Wir selbst erleben uns nicht nur geistig als Individualitäten, sondern haben auch das bestimmte Erlebnis unserer eigenen Leibhaftigkeit und Körperlichkeit. Wenn wir Sozialpsychologie treiben wollen, müssen wir wissen, wie sich das Erlebnis unseres eigenen Körpers aufbaut und wie wir zu einem Wissen von dem Körper der anderen gelangen. Das Verhältnis des Wissens vom eigenen Körper zum Wissen um den anderen Körper ist ein Fundamentalproblem der Sozialpsychologie, das bisher nicht die genügende Aufmerksamkeit gefunden hat. Wenn immer wir handeln, so ziehen wir den eigenen und den fremden Körper in Betracht. Individualitäten sind sinnlos ohne ihren Körper. In den ausgezeichneten Sozialpsychologien von McDougall, Bogardus, Folsom u. a. findet man diesen Gesichtspunkt vernachlässigt. Das hängt wohl damit zusammen, daß die Psychologie dem Problem des Körperbildes trotz der Arbeiten von Head und Pick nur wenig Interesse geschenkt hat