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Der Blick dessen, der soziale Beziehungen analysieren will, muß in ständigem Wechsel bald auf die Geschichte der Vergangenheit und bald auf das Zukünftige gerichtet sein, das bestimmt ist, Geschichte zu werden. Seine Aufgabe ist es, das Wesen sozialer Strukturen im Bereich der Zukunft ebenso zu erfassen wie im Bereich der Vergangenheit, da ja Zukunft und Vergangenheit nur Aspekte ein und derselben umfassenden, übergreifenden Einheit sind. Denn wäre die Zukunft nicht ihrem Wesen nach eine Neuauflage der Vergangenheit und dadurch eine Manifestation eines kosmischen Wiederholungszwanges, könnte ein kritischer Denker wohl niemals seine Aufgabe lösen, sich mit Hilfe von Ablaufsmodellen, die er aus der Vergangenheit gewonnen hat, in der Zukunft zu orientieren. Möglicherweise wird eine Durchmusterung der Vergangenheit nach Beispielen nichtregelhafter Abläufe den Schlüssel zum Verständnis antithetischer Strukturen liefern, deren Entstehung man, als der wahrscheinlichsten, im Lauf der Zeit erwarten durfte; aber es ist völlig unzulässig, mit Marx anzunehmen, daß historische Beispiele einer Veränderung durch „sprunghafte Entwicklung“ es erlauben, einen zwingenden Schluß auf ein Veränderungsgesetz in der zukünftigen Entwicklung zu ziehen. Es gibt kein bekanntes Entwicklungsprinzip, das unfehlbar zu einer gesunden, geschichtlich-vorhersagenden Analyse einer Gesamtkonfiguration führt; wer solche Analysen macht, muß lernen, Unsicherheit zu ertragen.
Freuds Bedeutung liegt nicht in dem Versuch, solche Prinzipien zu generalisieren, sondern in der Entdeckung intensiver Beobachtungsmethoden als Ergänzung der extensiven, wie sie in der Sozioanalyse bereits angewendet wurden; die extensive Methode ermöglicht es, Aspekte einer Gesamtkonfiguration zu gewinnen, indem Daten über Personen und Situationen gesammelt und geordnet werden, die mehr aus einem gelegentlichen als aus einem intimen Kontakt mit diesen Personen gewonnen sind. Typische Fragen, an die man mit extensiven Beobachtungsmethod