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Der schier unerschöpfliche Inhalt des Dürerschen Melancholiestiches hat eine neue Deutung auf den Plan gerufen: Dr. Ernst Buch, ein Arzt aus Essen, unternimmt den Versuch, der psychoanalytischen Auffassung, die im Stich eine künstlerische Reaktion auf den Tod der Mutter erblickt (Winterstein), eine andere zur Seite zu stellen. Die Pest (als Erinnerung an frühere Epidemien in Nürnberg wie auch als Furcht vor einer erneuten Katastrophe) soll das Phantasiegebilde Dürers entscheidend beeinflußt haben. Ein historischer Exkurs über die Pest zu Dürers Zeit dient als Stütze dieser Deutung. Wer die Stimmung der damaligen abendländischen Menschheit berücksichtigt, die in einer an Dementia paranoides gemahnenden Weise angstvoll auf das Weltenende harrte, und wer anderseits am Grundsatz der mehrfachen Determiniertheit jedes künstlerischen Produktes festhält, wird der Betrachtungsweise Buchs seine Zustimmung nicht versagen dürfen, mag auch die Interpretation mancher Einzelheiten nicht gerade zwingend erscheinen.
A. Winterstein (Wien)