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Wie man weiß, hat Klages niemals Anlaß gefunden, an dem was er lehrt eine Korrektur vorzunehmen. So bringt auch das vorliegende Buch im wesentlichen nichts anderes als eine formal noch weiter durchgearbeitete, inhaltlich unmodifizierte Darstellung der Grundlagen seiner graphologischen Lehre. Der
Leser lernt die Entwicklung der Graphologie in der egozentrischen Auffassung von Klages kennen, und er erfährt von den neueren Ansätzen zur Ausbildung einer experimentellen naturwissenschaftlich orientierten Graphologie ebensowenig wie von den Bemühungen, der Graphologie durch den Anschluß an die „Tiefenpsychologie“ ein anderes Fundament zu geben. Allerdings muß man zugestehen daß die „deduktive Graphologie“ von K. hinsichtlich ihrer methodischen Klarheit und systematischen Konsequenz unter allen „Graphologien“ immer noch die erste Stelle einnimmt und daß sie am meisten in wissenschaftlicher Hinsicht leistet, nämlich in der rationalen Durchdringung der intuitiven graphologischen Deutungen.
Die Lehre vom „Formniveau“, welches nach K. der Handschrift wie allen anderen Lebensäußerungen eignet, kann ein Interesse nur insofern erwecken als die Wertgebundenheit der K.sehen Charakterologie bei dieser von ihm selbst immer in den Mittelpunkt gerückten Doktrin unverhüllt hervortritt. Keinesfalls kann man das Formniveau, welches die „Teilhaberschaft an einer nur scheinbar biologisch, in Wirklichkeit romantisch-metaphysisch verstandenen Lebenskraft bezeichnen soll, als eine wissenschaftliche Begriffsbildung anerkennen. Dagegen haben sich zwei andere Begriffe: „Antriebserlebnis und „Leitbild“ als sehr fruchtbar erwiesen. Die beiden Kapitel, in denen sie zur Sprache kommen, sind die instruktivsten, und nach der Meinung des Referenten darf die Möglichkeit wissenschaftlicher Handschriftdeutung als erwiesen gelten, soweit die Wirksamkeit von Antriebserlebnissen und Leitbildern empirisch sichergestellt ist. Bei Affekten wie Freude oder Wut kann man gewiß von spezifischen Antriebserlebnissen