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In Kinderanalysen erleben wir oft, daß die kleinen Patienten Märchen und Geschichten dichten und uns so ein Tor zu ihren verdrängten Wünschen und Phantasien erschließen.
Gehen wir an das Märchen Dornröschen mit der Erwartung heran, wir würden in ihm wie in einer Produktion eines in der Analyse befindlichen Kindes einen verborgenen Sinn finden und hätten nun zu erschließen, welche Kräfte im Kinde zu dieser EAAußerung drängten und warum sie gerade diese Form des Ausdrucks gewählt haben.
Daß es ein weibliches Kind ist, das so vor uns phantasiert, kann leicht angenommen werden. Ihr Alter läßt sich erraten: das dramatische Ereignis des Märchens — das Stechen mit der Spindel und der Beginn des hundertjährigen Schlafes — fällt in das fünfzehnte Jahr. Also dürfte das Mädchen, das wir uns als Dichterin des Märchens denken wollen, dem fünfzehnten Jahr nicht mehr fern sein, und die Angst der etwa Zwölf- bis Dreizehnjährigen vor den kommenden Jahren dürfte den Motor zu solchem Phantasieren gegeben haben. Wir kennen diese Angst der Mädchen in der Vorpubertät: was wird mit mir geschehen, wenn ich fünfzehn Jahre alt bin, wie wird das später mit den Männern sein? Hätte ich es doch schon endlich hinter mir! — Und so dichtet sie das Märchen, in dem das Böse geschieht, das Erlebnis des fünfzehnten Jahres, das Stechen mit der Spindel — wir erraten die Menstruation — dichtet dann als Folge ihres Weibgewordenseins den hundertjährigen Schlaf im Schutz der Dornenhecke, weil dieses aber nicht der Sinn des Lebens sein kann, das sie erträumt, dichtet sie das happy end dazu, den Bräutigam, die Hochzeit.
Gehen wir nun hier (anders als wir es in der realen Kinderanalyse tun, wo wir aus therapeutischen Gründen ein in sublimierte Form gebrachtes unbewußtes Material selten deuten) an die Entzauberung der Phantasien heran, so drängt sich uns sofort einiges auf, was zu untersuchen lockt. Das Stechen der Spindel im fünfzehnten Jahr dürfte einer Verdichtung von Menstruation und Defloration entsprechen, de