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Der Krieg ist bisher mit ethischen und ökonomischen Argumenten bekämpft, aber nicht vom psychologischen Standpunkt aus untersucht worden. Obzwar die Richtigkeit der Argumente „Du sollst nicht töten“ und „Der Krieg lohnt nicht“, wohl kaum angezweifelt wurde, blieb die Propaganda der Pazifisten ziemlich wirkungslos. Das vorliegende Buch versucht, die Ursachen für diesen Fehlschlag aufzudecken und das Problem des Krieges psychologisch zu erforschen.
Schon die einfache Beobachtung ergibt, daß Kriegshandlungen nicht nur aus Gehorsam erfolgen, sondern daß bei ihrer Ausführung oft auch bewußt Befriedigung oder Faszination empfunden wird. Deutlicher äußern sich die sadistischen Regungen in Ausnahmefällen. Ein Gefreiter, im. Frieden ein braver Kanzleischreiber, benutzte jede Möglichkeit, um gefallenen Feinden die Zähne zu ziehen. Diese Leidenschaft, die Zähne der Feinde zu sammeln unterscheidet sich ebenso wie das Sammeln von Pickelhauben nicht wesentlich von den Kopfjagden der Primitiven. Unsere sadistischen Regungen finden — in gemilderter Form — ein Ventil, wenn wir z. B., behaglich am Frühstückstisch sitzend, voller Interesse vom Blutvergießen im fernen Osten lesen. Offener ist der Sadismus zu erkennen, wenn statt Interesses Schadenfreude empfunden wird. Der im „Opfern“ der eigenen Angehörigen sich äußernde Sadismus ist unbewußt. Es ist immer die Generation der Väter, die die Söhne in den Krieg sendet. (Vgl. Abrahams Opferung Isaaks.)
Wenn sich manche Manifestationen des Sadismus auch deutlich genug beobachten lassen, so sind ihre Wurzeln doch immer unbewußt und infantil. Der Sadismus wird wesentlich durch Angst verstärkt. Das aggressive Verhalten eines „schlimmen“ Kindes ist durch Angst bedingt und hört auf, wenn die Angst sich mildert. Ähnlich darf man wohl annehmen, daß es die Angst ist, die die Nationen angriffslustig macht. Der Angriff ist die beste Verteidigung. Diese Angst hat einen weitgehend irrealen Charakter. Ähnlich wie die Primitiven sich von Geistern verfo