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„Ganzheit“, „Gestalt“, „Struktur“ gehen als Modewörter in den Sprachschatz des Gebildeten über und decken einen zwar vagen Begriff, aber eine eindeutige Tendenz gegen „Naturwissenschaft“, „Materialismus“, „Mechanismus“, „Aufklärung“. Sie sind Bestandstück jener romantischen Strömungen, die seit der Jahrhundertwende — nicht nur in Deutschland — sich in mannigfaltigen Formen in Kunst, Philosophie und Politik manifestieren. Ihre philosophische und wissenschaftliche Prägung haben diese Worte oder die mit ihnen gemeinten Tendenzen in der Biologie, Geschichte und Geisteswissenschaft erhalten, merkwürdigerweise gleichzeitig mit der Psychoanalyse. Diltheys „Ideen über eine beschreibende und zergliedernde Psychologie“, erschienen 1894, Windelbands „Geschichte und Naturwissenschaft“, 1894, Rickerts Vorarbeiten zu den „Grenzen der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung“ reichen bis 1896 zurück. Stumpf, Husserl, Driesch und Uexküll beginnen gleichfalls in den Jahren vor 1900. Dies wären einige der für die verschiedenen Äste dieser Entwicklung in Deutschland bedeutsamen Namen.
Von diesen philosophischen Richtungen gefördert, wenn auch von ihnen nicht durchaus bestimmt, ist Ganzheit, Struktur, Gestalt in präziseren Begriffen entwickelt, heute in mehreren psychologischen Schulen Gegenstand, Fundament oder Programm der Bemühungen; aber immer doch in einen philosophischen, weltanschaulichen, zuweilen politischen Hintergrund eingebettet; und immer mit einer mehr oder minder scharfen Bekämpfung der Ausdehnung der Naturwissenschaft auf die Psychologie.
Hierin macht jene Gruppe von Psychologen eine Ausnahme, die das Wort Gestalt erst eigentlich durchgesetzt, die geradezu die Gestalt zur Theorie erhoben haben und sich nach ihr Gestaltpsychologen nennen: Wertheimer, Köhler, Koffka, Lewin.2 Ihre Gestalttheorie meint eine empirische und