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Der Verfasser versucht in ziemlich offener Gegnerschaft zur Analyse den Nachweis, daß der Vater-Sohn-Konflikt, für dessen häufige Darstellungen in der Literatur die sorgfältigen Aufzeichnungen des Autors selbst genügend Material aufbringen, nicht urkomplexbedingt und dadurch ubiquitär für alle Zeiten sei, sondern daß er vor allem seiner Eignung zur Darstellung weltanschaulich-politischer Konflikte seine Beliebtheit verdankt. Als beweisend erscheint dem Autor dabei, daß in den Dramen und übrigen literarischen Erzeugnissen der Vaterhaß des Sohnes nicht ersichtlich sexuellen Motiven entspringt, wie es dem Ödipuskomplex entspräche, wobei er freilich die Tatsache der Verschiebung und indirekten Darstellung nicht gelten läßt. Er zeigt damit, daß er die analytische Theorie vom latenten Gehalt des Kunstwerks nicht erfaßt hat. Auch ist ihm das reichlichere Auftreten der kulturfeindlichen Haltung des Sohnes in der Literatur revolutionärer Umsturzepochen Beweis für die weltanschaulich-politische Bedeutung dieses Phänomens. Er vermag den nächsten Schritt zur Annahme, revolutionäre Idee und Vater-Sohn-Konflikt in der Literatur könnten ein und derselben menschlichen Quelle, nämlich dem Ödipuskomplex entstammen, nicht zu tun. Trotz allem gelingt es dem Verfasser nicht, die Wirksamkeit des Vater-Komplexes für die Literatur zu verleugnen, ja er muß für manche literarische Produkte und Persönlichkeiten (so Dostojewski) seine Gültigkeit expressis verbis bejahen.
R. Sterba (Wien)