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„In Wirklichkeit beginnt keine Wissenschaft mit solchen Definitionen (klaren und scharf definierten Grundbegriffen), auch die exaktesten nicht. — Erst nach gründlicherer Erforschung des betreffenden Erscheinungsgebietes kann man auch dessen wissenschaftliche Grundbegriffe schärfer erfassen und sie fortwährend so abändern, daß sie in großem Umfange brauchbar und dabei durchaus widerspruchsfrei werden. — Ein solcher konventioneller, vorläufig noch ziemlich dunkler Grundbegriff, den wir aber in der Psychologie nicht entbehren können, ist der des Triebes. Versuchen wir es, ihn von verschiedenen Seiten mit Inhalt zu erfüllen.“
Mit der zur Vorsicht mahnenden Einleitung zur Arbeit „Triebe und Triebschicksale“ hat Freud darauf aufmerksam gemacht, daß die psychoanalytische Triebtheorie den Charakter des Spekulativ-hypothetischen, vorläufig nicht Festgelegten trägt. Es wäre nun möglich, auf derselben empirischen Grundlage fußend, der einen Hypothese eine andere entgegenzuhalten und auf ihre Brauchbarkeit hin zu prüfen. Ebenso möglich wäre es, daß anderweitiges empirisches Material, das uns jetzt zur Verfügung steht, uns dem Triebproblem näher bringen könnte. Dies soll im folgenden versucht werden. — Bei der Behandlung des Hungertriebes möchte ich kurz über Untersuchungen und Daten berichten, die David Katz in einer kleinen Publikation1 niedergelegt hat.
Der Hunger wird gewöhnlicherweise wie der Durst und der sexuelle Drang zu den sogenannten Organgefühlen gerechnet. Es ist eine viel diskutierte Frage, durch welche Rezeptoren diese Gefühle oder Empfindungen an unser Bewußtsein gelangen, oder wodurch sie motorische Aktionen veranlassen.
Wenn man einige Menschen darüber ausfragt, wie sie es bemerken, daß sie Hunger haben, werden wohl die meisten ohne Zweifel angeben, daß sie es „im Magen“ fühlen. — Daß es vielleicht nicht so einfach ist, dürfte aus dem folgenden hervorgehen.