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Freuds Kapitel über „Traum und Okkultismus“ (in den neuen Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse) hat in analytischen Kreisen das Interesse an Fragen okkulter Art neu belebt. Obwohl Freud sich nicht ausdrücklich dahin äußert, daß Telepathie (Übertragung von Gedanken ohne jedwede Vermittelung von Sinnesorganen) wirklich existiere, so läßt doch seine ganze Darstellung keinen Zweifel übrig, daß er an Telepathie glaubt und lediglich aus Gründen wissenschaftlicher Vorsicht die volle Evidenz abwarten will. I. Hollós ist jedoch über solche Zweifel hinaus. Er sieht die Existenz telepathischer Phänomene als erwiesen an und betrachtet telepathische Phänomene sogar als so alltäglich, daß er es als nicht erstaunlich ansieht, daß er in 10 oder 12 Jahren mehr als fünfhundert Fälle sammeln konnte, in denen das Denken des Analytikers und des Analysierten in telepathischer Abhängigkeit voneinander waren. Ja, er ist der Ansicht, daß solche Phänomene in der alltäglichen psychoanalytischen Arbeit von größter Bedeutung sein könnten.
Man mag zunächst die Frage stellen, warum der Analytiker an okkulten Phänomenen als Analytiker besonderes Interesse haben sollte.
Man könnte meinen, daß die Existenz der Telepathie eine Tatsachenfrage sei, für deren Feststellung und Erforschung analytische Kenntnisse nicht nötig seien. So liegt z. B. auch die Frage, ob drahtlose Telegraphie möglich sei, jenseits analytischer Kompetenz. In der Tat sind sehr viele okkulte Forscher völlig unabhängig von der Psychoanalyse zu der Ansicht gekommen, daß Telepathie existiere. Das Erlebnis A der Person X ruft ein analoges Erlebnis A1 in der Person Y hervor. Aber hier ergeben sich bereits Abweichungen. A1 ist nicht immer völlig identisch mit A. Eine geliebte Person (Y) stirbt und die Person X sieht den Tod von Y. Man mag alle möglichen Variationen ausdenken. Die Uhr von X mag genau um die gleiche Zeit stehen bleiben, wenn Y stirbt und X mag die Gedanken haben, daß das Stehenbleiben der Uhr den Tod des Y bedeute