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Über das merkwürdige Erscheinungsgebiet der Langeweile liegt von psychoanalytischer Seite nur eine einzige Arbeit vor, „Angst vor dem Neuen, Neugier und Langeweile“ von Alfred Winterstein,1 die wir im folgenden auch öfter heranziehen werden, die aber viele Probleme ungelöst läßt. Wahrscheinlich sind es psychologisch recht verschiedene Zustände oder Verhaltungsweisen, die mit dem Namen „Langeweile“ bezeichnet werden. Auch der folgende Versuch macht keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und hofft nur, einen bestimmten Typus von Langeweile zu kennzeichnen.
Gehen wir von der Definition von Lipps aus,2 die auch Winterstein heranzieht. Die Langeweile „ist ein Unlustgefühl aus dem Widerstreit zwischen dem Bedürfnis intensiver psychischer Betätigung und dem Mangel der Anregung dazu, bzw. der Unfähigkeit, sich dazu anregen zu lassen“. Fügen wir hinzu, daß neben dem „Bedürfnis intensiver psychischer Betätigung“ stets gleichzeitig eine Hemmung solcher Betätigung vorhanden ist, die als solche gefühlt wird — man weiß nicht, wie man sich betätigen soll oder will —, und daß aus diesem Zwiespalt heraus die Anregung von der Außenwelt gesucht wird. Ferner, daß der „Mangel der Anregung“ — wie ja auch der Zusatz „die Unfähigkeit, sich dazu anregen zu lassen“ ausführt — sehr häufig nicht äußerer Wirklichkeit entspricht; wie das Nebeneinander von Betätigungsdrang und Betätigungshemmung die Langeweile charakterisiert, so auch das von Reizhunger und Unzufriedenheit mit den gebotenen Reizen. Die Frage nach den Hemmungen sowohl des Betätigungsdranges als auch der Bereitschaft, die ersehnten anregenden Reize anzunehmen, wird also zum Hauptproblem der Psychologie der Langeweile.
Würde man versuchen, rein deskriptiv den Gemütszustand der Langeweile zu erfassen, so könnte man sie am ehesten bezeichnen als ein „unlustvolles Erleben von Impulslosigkeit“. Diese Formel stellt ein Problem, das zunächst aus dem Wege zu räumen ist: Wir nehmen an, daß der Spannungszustand des psychischen Apparats durch i