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Meine Damen und Herren! Aus der Reihe von in Aussicht genommenen Untersuchungen wichtigerer psychologischer Phänomene unter dem Aspekt des Triebdualismus Eros — Todestrieb bringen wir hiemit unsere zweite Arbeit zum Vortrage.
Vorerst sollten wir eigentlich, angesichts des energischen Widerspruches, auf den die Todestriebhypothese in der letzten Zeit namentlich im Buche von Wilhelm Reich „Charakteranalyse“ gestoßen ist, die sozusagen prinzipielle Frage untersuchen, ob darnach jene Freudsche Konzeption überhaupt noch zu Recht besteht und ob nicht vielmehr durch deren Umstoßung auch unserer Untersuchung bereits der Boden entzogen würde.
Nun meinen wir, es sei hier weder der Ort, noch stehe uns die erforderliche Zeit zu Gebote für eine ausführliche Polemik, und wir gedenken dieselbe einzuschränken, zumal wir der Ansicht sind, eine richtige Polemik bestehe ungleich weniger in der Widerlegung des Gegners als vielmehr in der Stützung der eigenen angefochtenen These, sohin im vorliegenden Falle etwa in der Beibringung eines neuen Beleges für die Existenz des, wie Freud klagt, „so schwer zu fassenden, stummen und schwer aufzeigbaren Todestriebes“. Und da wir uns im Besitze einer solchen, die bisherigen vielleicht an Deutlichkeit übertreffenden Spur vermeinen, so sollen unsere polemischen Bemerkungen gegen Reich sich lediglich auf jene seiner Behauptungen beziehen, die diesen unseren speziell vorgezeichneten Weg irgendwie kreuzen.
Eine solche Manifestation glauben wir in einem Phänomen gefunden zu haben, das, wie kaum anders möglich, selbstredend von einem Triebgemisch gesteuert wird, in welchem jedoch der Todestriebanteil, wie wir meinen, sich ungleich deutlicher als sonst durch gewisse dem Todestrieb von Freud zugeschriebene Kriterien verrät.
Dieses Phänomen gehört nicht, wie die bisher in bezug auf dieses Problem in Erwägung gezogenen, dem Gebiete der Pathologie an, findet sich vielmehr schon im Bereiche der Norm, stellt einen biologischen, zutiefst in der das organische Lebe