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Mit den Begriffen Männlich und Weiblich befinden wir uns auf psychoanalytischem Grenzgebiet. Daher kommen die Schwierigkeiten. Wir suchen Hilfe von Nachbarwissenschaften wie Biologie und Soziologie, aber diese Hilfe reicht nicht aus. Besser fahren wir vielleicht, wenn wir männlich und weiblich als unmittelbare Erlebnisse fassen: Das Reich der Erlebnisse ist ebenfalls psychoanalytisches Grenzgebiet. Wir stoßen in der Psychoanalyse überall auf Erlebnisse, aber unsere analytischen Waffen reichen nicht aus, sie zu erfassen. Wir analysieren Bedingungen, die zum Erlebnis führen, keineswegs alle Bedingungen und das Erlebnis als solches gar nicht.
Freud hat das oft ausgesprochen. Er lehnt es ab, sich auf die Erlebnisse der Trance, der Ekstase, auf Yogapraktiken und ähnlichen Spuk einzulassen, indem er Schillers Taucher zitiert: „Es freue sich, wer da atmet im rosigen Licht.“ Das religiöse Erlebnis führt Freud bekanntlich auf die kindliche „Hilflosigkeit und die durch sie geweckte Vatersehnsucht“ zurück. „Es mag noch anderes dahinterstecken“, sagt er, „aber das verhüllt einstweilen der Nebel.“ Auf eine Untersuchung des religiösen Erlebnisses (des „ozeanischen Gefühles“), die über die klassischen Feststellungen der Psychoanalyse hinausginge, läßt Freud sich nicht ein. Über das künstlerische Schaffen — wir substituieren: das Erlebnis des Künstlers und seines Publikums — hat Freud an mehreren Stellen (Einleitungen zu Dostojewskis Brüder Karamasow und Marie Bonapartes Buch über Edgar Poe; schon lange vorher in seiner Studie über Lionardo da Vinci) gesagt, daß es dem analytischen Verständnis nicht zugänglich sei. Zum Problem der Willensfreiheit als Erlebnis kann die Psychoanalyse nichts beitragen. Wir erleben unseren Willen als frei, und das entgegen aller wissenschaftlichen Gegenbeweise. Es ist interessant, daß fast alle ehemaligen Schüler Freuds, die sich von der Psychoanalyse abgewendet haben, hier einsetzen und das Erlebnis der Freiheit zum Gr