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Meine Damen und Herren!
Gestatten Sie mir, zuerst an Ihre Nachsicht zu appellieren, wenn ich im folgenden nur einige neue Formulierungen über Sachverhalte vorschlagen möchte, die als solche jedem Analytiker geläufig sind. Ich möchte vor allem vorausschicken für alle diejenigen, bei denen der Titel dieses Vortrages ein gewisses Mißtrauen erregt haben mag, daß hier keine Metaphysik vorgetragen werden soll, daß hier nicht das Problem der Willensfreiheit, die Jahrtausende alte Crux der Philosophie erörtert wird, sondern das rein psychologische Problem der Freiheit von etwas, z. B. von Affekten, von Angst, oder Freiheit zu etwas, z. B. zur Lösung der an einen Menschen gestellten Aufgaben. Wer etwa an einer Zwangsneurose leidet und unter Zwang handelt, ist psychologisch unfrei, wer vom Zwang „befreit“ ist, hat ein Stück Freiheit gewonnen.
Anstatt Ihnen meinen Gegenstand nun in sorgfältigen Definitionen zu umreißen, möchte ich versuchen, Sie lieber gleich mittenhineinzuführen durch einige Zitate aus den Schriften Freuds, aus denen Zugleich zu sehen ist, daß die Probleme dieser Art in Wahrheit immer im Mittelpunkte der psychoanalytschen Aufmerksamkeit gestanden sind. So sagt Freud z. B. über die Entwicklung der Zwangsneurose: „Das ganze läuft in eine immer mehr zunehmende Unentschlossenheit, Energielosigkeit, Freiheitsbeschränkung aus.“2 An einer Stelle heißt es: „Da die Regeln der Analyse einer solchen Verwendung der ärztlichen Persönlichkeit“ (sc. als Prophet, als Führer) „entschieden widersprechen, ist ehrlich zuzugestehen, daß hier eine neue Schranke für die Wirkung der Analyse gegeben ist, die ja die krankhaften Reaktionen nicht unmöglich machen, sondern dem Ich des Kranken die Freiheit schaffen soll, sich so oder anders zu entscheiden.“3 Oder an einer anderen Stelle: „Auch dies“ (das Kultur-Über-Ich) „kümmert sich nicht genug um die seelische Konstitution des Menschen, es erläßt ein Gebot und fragt nicht, ob es dem