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Zum ersten Male liegt hier eine psychoanalytische Untersuchung vor, die sich nicht damit begnügt, einen Ausschnitt aus dem Unbewußten eines Künstlers, eine Schaffensperiode oder eine bestimmte Schaffensrichtung zu erforschen, sondern den Menschen und das Werk als Gesamtheit erfaßt. Nichts ist herausgetrennt und weggelassen worden, wie es bei den bisherigen Darstellungen unvermeidlich war, alle Fäden und Fädchen im vielverschlungenen Gewebe, die von den Kindheitserlebnissen und Jugendeindrücken, von den Leidenschaften und Hemmungen, von der Neurose und der Sucht zu dem dichterischen Schaffen und der Phantasiewelt Edgar Allan Poes hinführen, werden mit Geduld, Scharfsinn und unermüdlichem Deutungswillen verfolgt. Mit allen Hilfsmitteln der analytischen Deutungstechnik wird das umfangreiche, schwierige, oft undurchsichtige und scheinbar widersprechende Material durchforscht. Im Detail mag manches problematisch bleiben, doch die Hauptlinien sind durch diese Arbeit ein für allemal festgelegt, und die geheimnisvolle Faszination, die von diesem verzerrten und durch Gegensätze zerrissenen Geist ausstrahlt, wird zum erstenmal enträtselt. Eine so gründliche Arbeit kann natürlich der „göttlichen Länge“ nicht entbehren, aber sie entschädigt vollauf für die Hingabe, die sie fordert.
Wer im Leben Poes von den oberflächlichen und zufälligen Gegebenheiten Ring um Ring bis in den Mittelpunkt vordringt, wie Dante in das Inferno, der findet auch, wie im Inferno, auf jeder Stufe neue Qual, Verzweiflung und das Ringen um Selbstaufhebung. Es beginnt damit, daß der Dichter in eine Zeit hineingeboren wurde, in der seine Heimat vor zwei großen Aufgaben stand: die neue Maschinenwelt und der eigene Kontinent mußten erobert werden, und dazu war die Aufwendung aller Energie nach außen hin nötig. In dieser Welt, vor deren rücksichtsloser Realistik dem alten Europa schauderte, irrte ein Träumer, ein Mensch, der nur in seiner introspektiven Phantasie lebte, umher, wie ein Schlafwandler im Betrieb e