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Ilse Obrig hat 67 Kindern im Alter von 4 bis 11 Jahren drei verschiedene Geschichten anfänge erzählt und jedes Kind diese drei Geschichten weiterspinnen lassen. Für den Kinder analytiker, dem ja immer nur ein beschränktes Vergleichsmaterial zur Verfügung steht, wäre es sehr fruchtbar und ersprießlich, den Inhalt dieser Weitererzählungen mit dem der Geschichten und Tagträume aus den Kinderanalysen vergleichen zu können. Leider werden diese Inhalte nur ganz oberflächlich schematisch zusammengefaßt und die „phantasiemäßige Ergänzungsgestaltung“ des Kindes lediglich im Sinne der Strukturpsychologie auf „Gerichtetheit“ und „Einstellung“ untersucht. So wird die interessante Tatsache, daß einige 4- bis 6jährige Kinder zum Unterschied von andern an die Geschichtenanfänge einfach Worte, also keine Sätze hinzufügen, einfach als „Freude am Spielen“, als „ungegliederte, diffuse Komplexität des Gesamterlebens“ abgetan. Niemals werden die Weitererzählungen auf kausale Zusammenhänge hin geprüft, „das strukturell Mitgebrachte enthält die Hauptbedingungen für Form und Inhalt der Weitererzählungen“. Ebensowenig findet natürlich die Tatsache Berücksichtigung, daß in einem Geschichtenanfang von einem schönen Traum die Rede ist, an den viele Kinder mit eigenen Träumen anknüpfen. Der Verfasserin genügt: „Mit dem Konkret-vor-Augen-Haben der Situation und dem Sichhineinversetzen in die handelnden Personen dürfte auch die hier erstmalig auftretende Erzählung von Träumen, überhaupt das Eingehen auf die Träume zusammenhängen.“ Wenn ein Kind zu dem Text „Das Männlein führte das liebe kleine Eislein“ die Einschaltung macht: „die doch eine so große Angst hatte…“, so begründet das die Verfasserin damit: „Überall, wo das Kind derartige Einschaltungen macht, hat man den Eindruck, daß ihm schon irgendwie ein ‚Publikum‘ mitgegenwärtig ist.“
E. Sterba (Wien)