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Mit einem Werk wie dem Spitteler-Buch R. Faesis weiß der Psychologe nichts Rechtes anzufangen, denn der ästhetische und literarhistorische Gehalt ist zu gering, um für die psychologische Oberflächlichkeit zu entschädigen. Auch wenn man bereit ist, das eigene Fachinteresse ganz zurückzustellen, erlahmt die Anteilnahme an dem Gebotenen, das sich oft kaum über das Niveau der Nacherzählung und Paraphrase erhebt: Dabei stolpert der Leser immer wieder über das Phrasendeutsch der letzten oder vorletzten literarischen Mode oder stößt gar auf Ungeheuerlichkeiten in Sinn und Form, wie: „Schwerlich hätte er Lust gehabt, einen solchen (Gegenbesuch) seinem Übersetzer Lunatscharsky abzustatten, an dessen Geist und Persönlichkeit er sich, kurz bevor er mit Lenin von Zürich zur Anstiftung der bolschewistischen Revolution nach Rußland reiste, erfreut hatte“ (Seite 81).
Der Fachpsychologie wird Raum gegeben durch die Erörterung der Frage: Introversion oder Extraversion. Spitteler wird als „Introvertierter“ klassifiziert, obgleich für die entgegengesetzte Einreihung ebenso wichtige Gründe sprechen, denn ein Dichter, der den Roman verwarf und das Epos wählte, weil es den Geschehnissen und Gestalten der Außenwelt ganz gewidmet sei und für Psychologie keinen Platz habe, dem seine eigenen seelischen Erlebnisse nur als „Visionen“, als Bilder und Vorgänge wahrnehmbar und faßbar wurden, könnte mit gutem Recht als „extravertiert“ bezeichnet werden. Es hätte keinen Sinn, darüber zu rechten; beide Meinungen beweisen durch ihre Inhaltslosigkeit, daß diese Art von oberflächlicher und gegenstandsferner Typenbildung nicht den geringsten Wert hat.
Trotzdem wäre es voreilig, sich von dem Buch verstimmt abzuwenden, denn es entschädigt für manche Schwäche durch eine ausführliche und genaue, auch nicht ganz ohne psychologische Einsicht dargestellte Biographie Spitteiers, die dem Verfasser unseren Dank sichert. Wir ergreifen die Gelegenheit, die wesentlichen Tatsachen aus dem Lebenslauf des Mannes, dem die