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Die Rolle, die in der psychoanalytischen Theorie und Praxis mit Recht dem Traumleben zuerteilt wird, ist so groß, daß die Frage sich von selbst aufdrängt, welche Rolle denn dem Traumleben in außereuropäischen Kulturkreisen zukommt. Diese Frage weist auf das große Material der Völkerkunde und Volkskunde hin, das noch der psychoanalytischen Bearbeitung harrt. Je nach der Wahl des Beobachtungsgebietes wird vermutlich die Antwort verschieden ausfallen. Es ist selten, daß das Traumleben als ein positiver schöpferischer Faktor gewertet wird, der auch im realen Leben eine anerkannte Rolle spielt. Zu diesen seltenen Fällen gehört das Indianertum Nordamerikas. Hier finden wir vielfach, daß die Visionen und Träume eine hervorragende Aktionsfähigkeit besitzen, und zwar in doppeltem Sinne: einmal haben sie eine Brücke vom Menschlichen zum Übermenschlichen zu schlagen, dann aber auch die weitere Funktion, die Sphäre des Übermenschlichen in das irdische Dasein hereinzuziehen und dem Menschen in nutzbare Nähe zu bringen. In beiden Fällen bilden sie ein allgemein anerkanntes Moment des Lebens, ganz im Unterschied zu unserer Existenz, bei der wir den Traum nur als verborgene, heimlich sprudelnde Quelle aufzufassen gewohnt sind. Gewiß sind auch diese gewissermaßen anonymen Träume vorhanden und man hat sich auch da und dort um ihre Deutung bemüht. Aber abseits und oberhalb dieser rein privaten Sphäre liegt ein anderes Gebiet, das die Träume und Visionen umfaßt, die wir als religiös bezeichnen müssen. Denn einmal